In diesem Interview berichtet Simi Abolarin – die erste KNX-Ausbilderin in ganz Afrika und die erste KNX-Ausbilderin in Nigeria – über ihren Weg zu KNX, den sich entwickelnden nigerianischen Markt und ihre Vision vom „Aufbau afrikanischer Smart Cities“.
KNXtoday: Sie sind die erste weibliche KNX-Ausbilderin in Afrika und die erste KNX-Ausbilderin in Nigeria. Was hat Sie in die Welt der Gebäudeautomation geführt? Welche beruflichen – und vielleicht auch persönlichen – Einflüsse haben Ihre Entscheidung geprägt, eine technische Laufbahn einzuschlagen?
SA: Mein Weg in die Gebäudeautomation wurde von einem unermüdlichen Streben nach ingenieurtechnischer Präzision, strukturierter Logik und skalierbarer Wirkung bestimmt. Ursprünglich war ich als Dozentin für Elektrotechnik an der Federal Polytechnic in Ede im Bundesstaat Osun, Nigeria, tätig. Obwohl ich in der akademischen Welt Erfüllung fand, hegte ich den tief verwurzelten Wunsch, komplexe, praxisnahe Infrastrukturprobleme zu lösen. Der entscheidende Wendepunkt kam durch intensive strategische Gespräche mit meinem Ehemann und Geschäftspartner Olaife Abolarin. Er erkannte, dass meine technischen Fähigkeiten als „A-Studentin“ im Ingenieurwesen eher für die Umsetzung in großem industriellen Maßstab bestimmt waren als für konventionelle Karrierewege. Gleichzeitig stellten wir fest, dass im afrikanischen Immobiliensektor eine massive Lücke bei zuverlässigen, unternehmensgerechten Steuerungssystemen für intelligente Gebäude bestand. Diese Erkenntnisse führten dazu, dass wir gemeinsam Smartville 7 Automation Ltd gründeten, wo ich als Mitbegründerin und Leiterin des operativen Geschäfts tätig wurde, um Automatisierungssysteme von Weltklasse zu entwickeln.
KNXtoday: Frauen sind in der KNX-Branche nach wie vor in der Minderheit. Wie sind Sie zum ersten Mal mit KNX in Berührung gekommen? Und welche beruflichen Erfahrungen oder Fähigkeiten haben Ihnen den Einstieg in die KNX-Welt erleichtert?
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SA: Als wir Smartville 7 auf den Markt brachten, war der Markt übersättigt mit minderwertigen, drahtlosen Lösungen für Endverbraucher, die angesichts der Anforderungen an Umwelt und Strominfrastruktur in Afrika immer wieder versagten. Ich weigerte mich, Kompromisse bei der Qualität einzugehen oder anfällige Systeme einzusetzen. Mein akademischer Hintergrund in Elektrotechnik veranlasste mich, nach der robustesten, dezentralsten und international standardisiertesten Architektur zu suchen – was mich direkt zum KNX-Standard führte. KNXtoday: Wie würden Sie den KNX-Markt in Nigeria beschreiben? Welche Themen sind derzeit am relevantesten, und auf welche Bereiche haben Sie sich spezialisiert? Was hat sich in den letzten Jahren spürbar verändert? SA: Der nigerianische Markt erlebt derzeit eine massive Hinwendung zur Qualität. In der Vergangenheit setzten Entwickler auf eigenständige, proprietäre Protokolle, die zu fragmentierten Systemen führten. |
Heute verlangen die „1 % der 1 %“ sowie gewerbliche Bauträger einheitliche Gebäudemanagementsysteme (BMS), die Beleuchtung, HLK, Sicherheit und Energiemanagement in einem einzigen, untrennbaren Ökosystem vereinen. Bei Smartville 7 sind wir auf hochbelastbare, vollständig integrierte KNX-Architekturen und BMS-Implementierungen im Unternehmensbereich für ultra-luxuriöse Wohnanlagen und ikonische Gewerbeprojekte spezialisiert. In den letzten Jahren hat sich die Sichtweise des Marktes gewandelt: Smart-Technologie wird nicht mehr als luxuriöses Extra betrachtet, sondern als unverzichtbare kritische Infrastruktur anerkannt. Kunden erkennen mittlerweile, dass kabelgebundene, standardisierte Protokolle wie KNX der einzige Weg sind, um Langlebigkeit, Datenschutz und Systemzuverlässigkeit zu gewährleisten.
KNXtoday: Nigeria ist ein Land mit großer regionaler und infrastruktureller Vielfalt. Welche Herausforderungen stellen sich Ihnen bei der Einführung und Etablierung von KNX-Standards?
SA: Die größte Herausforderung bestand darin, den Zustrom von drahtlosen „Schnelllösungsprodukten“ zu bewältigen, die die Erwartungen der Kunden hinsichtlich Kosten und Leistung verzerren. Spannungsschwankungen und raue Umgebungsbedingungen führen dazu, dass instabile Systeme schnell ausfallen, was anfängliche Skepsis gegenüber der Automatisierung hervorruft. Wir überwinden dies, indem wir uns an das halten, was wir den „Standard Way“ nennen. Wir klären den Markt darüber auf, dass drahtlose Schnelllösungen zwar zunächst günstig sind, KNX jedoch eine Investition in eine dauerhafte Infrastruktur darstellt. Da zudem die lokale technische Kompetenz im Bereich fortschrittlicher Protokolle historisch gesehen gering war, haben wir spezielle Schulungsprogramme eingerichtet, um über 200 Ingenieure auf dem gesamten Kontinent auszubilden und so das Ökosystem aufzubauen, das für die nahtlose Unterstützung der KNX-Standards erforderlich ist.
KNXtoday: Auf welches KNX-Projekt sind Sie persönlich am meisten stolz – und warum?
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SA: Bei Smartville 7 sind wir der Überzeugung, dass die Spitzenleistung von gestern die Mittelmäßigkeit von heute ist. Deshalb verbessern wir uns ständig und setzen bei verschiedenen Projekten immer wieder neue Meilensteine. Zwei wegweisende Projekte prägen jedoch unser technisches Erbe: Alexence Villa (Abuja): Weitgehend anerkannt als eines der technologisch fortschrittlichsten Wohnbauprojekte in Westafrika. Wir haben ein umfassendes, komplexes KNX-Backbone entwickelt und uns dabei gegen große internationale Wettbewerber durchgesetzt, um diese Vision zu verwirklichen. Cyberville-Villa-Arbeitsplan für Dr. Toye: Eine groß angelegte Implementierung eines Gebäudemanagementsystems, die den absoluten Höhepunkt der automatisierten Infrastruktur in Afrika darstellt. Es handelt sich um ein schlüsselfertiges KNX/IoT/ELV-Projekt, das beweist, dass afrikanische Ingenieurbüros nach globalen Standards planen und umsetzen können. |
KNXtoday: Viele Frauen in westlichen Ländern empfinden den afrikanischen Kontinent aus beruflicher Sicht als besonders herausfordernd. Wie haben Sie diese Realität innerhalb der nigerianischen Tech- und Smart-Building-Community erlebt? Mit welchen Hindernissen waren Sie dabei konfrontiert – und wie haben Sie diese überwunden?
SA: Die Arbeit in Nigerias Tech- und Baubranche erfordert große Belastbarkeit und unbestreitbare Kompetenz. Zu Beginn bedeutete der Einstieg in männerdominierte Baustellen, dass ich zunächst auf Skepsis seitens der Bauunternehmer und Kunden stieß, die es nicht gewohnt waren, dass eine Frau komplexe Elektro- und Steuerungstechnikprojekte leitete. Ich entschied mich dafür, technische Exzellenz zu meiner lautesten Antwort zu machen. Indem ich das vielseitigste Protokoll der Branche – KNX – beherrschte und die Zertifizierung als Tutorin erwarb, schloss ich jeglichen Spielraum
für Diskussionen aus. Wenn Ihre technische Logik einwandfrei funktioniert und Ihr System jede Alternative auf dem Markt überdauert, muss man sich Respekt nicht erbitten – man erwirbt ihn.
KNXtoday: Welche Veränderungen würdest du dir für junge Frauen wünschen, die heute in Nigeria in die Gebäudetechnikbranche einsteigen? Und welchen Rat würdest du diesen jungen Talenten geben?
SA: Ich wünsche mir einen systematischen Abbau selbst auferlegter und gesellschaftlicher gläserner Decken. Junge Frauen sollten sich nicht auf administrative Rollen in der Technik beschränken; sie gehören in die Hardware-Entwicklung, das Systemdesign und die Software-Integration. Mein Rat an junge weibliche Talente ist klar: Meistern Sie den schwierigen Weg. Sucht nicht nach einfachen Abkürzungen oder oberflächlichen Fähigkeiten. Wenn ihr euch der Bewältigung komplexer Standards wie KNX widmet, schafft ihr euch ein unerschütterliches Fundament. Konzentriert euch auf Kompetenz, bleibt zielstrebig und denkt daran: Wenn ihr den schwierigen Weg meistert, gehört euch letztendlich der einzige Weg.
KNXtoday: Was treibt Sie heute an – Neugier, Verantwortung, technische Eleganz oder gesellschaftliche Wirkung?
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SA: Es ist eine Verschmelzung aus Verantwortung, technischer Eleganz und langfristigem Vermächtnis. Wir arbeiten nach einem klaren Leitbild: „Afrikas Smart Cities bauen – Haus für Haus.“ Ich fühle eine tiefe Verantwortung dafür, zu beweisen, dass Ingenieurskunst von Weltklasse nicht aus dem Westen oder Osten importiert wird – sie entsteht direkt hier in Afrika durch afrikanische Ingenieure. Jedes System, das wir programmieren, ist mit technischer Eleganz konzipiert, um Maßstäbe für die nächste Generation zu setzen. KNXtoday: Erzählen Sie uns zum Abschluss noch ein wenig über sich selbst. Was machen Sie, wenn Sie nicht mit KNX arbeiten – wo finden Sie Energie, Inspiration oder Erholung? SA: Wenn ich keine Systemarchitekturen entwerfe oder Ingenieure betreue, schöpfe ich meine Energie aus meiner Familie. Ich finde immense Freude und geistige Klarheit in präzisen Hobbys wie dem Gourmet-Backen – wo Chemie und Kreativität aufeinandertreffen – sowie in ruhigen, besinnlichen Momenten mit meinem Mann Olaife und unseren Söhnen. Das Auftanken mit meiner Familie gibt mir die geistige und emotionale Verankerung, die ich brauche, um ein wachstumsstarkes Technologieunternehmen zu leiten. |
KNXtoday: Möchten Sie diesem Interview für „Women in KNX“ noch etwas hinzufügen?
SA: An die weltweite KNX-Community: Afrika ist nicht nur ein Absatzmarkt für intelligente Technologie; wir sind ein Zentrum für Innovation, Umsetzung und hochkarätige technische Fachkräfte. Smartville 7 baut seine Präsenz aktiv aus, richtet hochmoderne Experience Center ein und bildet die nächste Generation von Ingenieuren aus, um standardkonforme Gebäudeautomation auf dem gesamten Kontinent zu verbreiten. Die Zukunft der Smart Cities ist global, und Afrika spielt dabei eine führende Rolle.
KNXtoday: Wie kann man mit Ihnen in Kontakt treten?
SA: Sie können sich über die unten angegebenen Kontaktdaten mit uns in Verbindung setzen – sei es für Partnerschaften, Produktberatung, Projektumsetzung oder Schulungen:
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